Der Westen & Das Wahldebakel

Auch wenn politische Leuchten wie Nikki the Blogger sich heute auf Twitter im üblichen, unfundierten Empörungsgewichse darüber echauffieren, dass im Schwabenländle völlig unerwartet und aus heiterem Himmel die Grünen mit satten 32,6% gewählt wurden und der geistig zurückgebliebene Wutbürger sich klatschend in die Masturbationsorgie mit einstimmt, so ist gestern eigentlich nicht wirklich irgendwas Bahnbrechendes passiert.

Die Grünen ruinieren weiterhin Baden-Württemberg und führen jenes Land, das einst mit Bayern um die Krone der Föderalismus-Liga gekämpft hat, ins Mittelfeld. Bildungstechnisch kackt Baden-Württemberg jämmerlich ab und ist nur noch im Mittelfeld und die Verschuldung ist trotz Rekordeinnahmen seit 2011 nochmal kräftig gewachsen.

Aber so lange die (Automobil-)Wirtschaft noch läuft und der wohlstandsverwöhnte Deutsche weiterhin mit seinem Cayenne zum Biomarkt fahren und die Welt retten kann, ist alles superduper. Da kann man schon mal gepflegt auf die 500.000 Arbeitsplätze, die die nächsten Jahre draufgehen werden, einen dicken Haufen setzen.

Ich will jetzt hier nicht einen Richtungsstreit vom Zaun brechen, in dem ich belegen kann, dass die durch Staat und durch die Propagandamedien verordnete Elektromobilität eine Blase ist und wirtschaftlich ohne Subventionen auf dem freien Markt nicht überleben würden. Fakt ist, dass wir den eigenen Ast absägen, auf dem wir gerade sitzen und sich bis zur Pandemie der Export deutscher Spitzentechnologie relativ stabil war und immer noch Deutschlands wichtigster Ausfuhrschlager ist. Das gilt übrigens nicht nur fürs Ländle, sondern für ganz Deutschland.

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Jetzt wählen also 32% jener, die genau vom Wohlstand dieser Branche am meisten profitieren, eine Partei, die alles daran setzt, diese zu vernichten. Auch hier könnt ihr die völlig geisteskranken Forderungen der Grünen einfach googeln, ich bin zu faul diese hier jetzt einzeln aufzuzählen.

Und jetzt muss man noch sagen, dass in BaWü die Grünen noch zu den „Harmloseren“ ihrer Fraktion gehören.

Aber gut, dass der Deutsche Michel dazu neigt, sich immer hart selbst zu ficken, wenn es ihm ZU gut oder auch schlecht geht, sollte jeder klar denkende Mensch aus der Vergangenheit gelernt haben.

Viel spannender und erkenntnisreicher als das Empörungsgewichse über den Erfolg der Grünen, finde ich das Ergebnis der AfD.

Satte 5,4% verloren und das, obwohl die CDU ebenfalls 2,9% abgebaut und die FDP nur 2,2% dazugewonnen hat. Noch interessanter wird es, wenn man nun die Wählerwanderung betrachtet.

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Der größte Anteil, also 140.000 Stimmen, haben sich defakto von der AfD abgewandt und sind in der Versenkung verschwunden. Das ist eigentlich ein recht guter Beweis dafür, dass es auf Inhalte nicht ankommt, sonst wären diese Stimmen bei den anderen (pseudo)bürgerlichen Parteien gelandet. Sind Sie aber nicht.

Könnte es also sein, dass es vielleicht daran gelegen hat, dass der Wähler eine Oppositionspartei, die nur mit sich selbst beschäftigt ist und jeden Streit nach außen trägt, als Kindergartentruppe zum Kotzen findet? Und könnte es nicht vielleicht auch ebenfalls sein, dass die Parteiführung mittlerweile viel zu abgehoben ist, um das zu erkennen?

Meuthen twitterte heute Morgen allen Ernstes folgendes:

Mal ehrlich: solch eine Klatsche schön zu reden ist man ja bisher nur von der SPD gewohnt, die ja selbst den größten Totalausfall noch als Endsieg verkauft hat.

Bei einer Sache hat der gute Jörg aber Recht: die politische Inhalte spielen wirklich keine Rolle, so lange die Partei sich geschlossen hinter diesen versammelt. Vielleicht eine kleine Triggerwarnung an all jene, die immer noch naiverweise daran glauben, dass man mit Sacharbeit Wahlen gewinnt: ihr müßt jetzt beim folgenden Absatz stark sein!

Es ist heutzutage scheißegal, WAS man sagt. Die Grünen haben zwei Vorsitzende die von Kobolden und dem Stromnetz als Energiespeicher daherfaseln und keine Sau, außer die üblichen Empörungswichser juckt es. Die CDU ist gefühlt seit Jahrmillionen an der Macht, in dem sie regelmäßig gepflegt auf ihre Wahlversprechen und ihre eigenen Prinzipien pfeift. Die SPD macht sogar Politik gegen ihre eigenen Wählerinteressen und wird immer noch gewählt, wie man gestern in Rheinland-Pfalz gesehen hat.

Also liebe Flügler und Liberalkonservative der AfD – welche Erkenntnis zieht ihr nun aus diesen Beispielen?

Wäre ich nun im Bundesvorstand einer Partei, die gestern vom Wähler hingerichtet wurde, würde ich mir Gedanken machen, warum das so ist. Und ich würde zum Ergebnis kommen, dass ich meine persönlichen, auf Ideologie beruhenden Befindlichkeiten endlich einmal beiseite legen und meinen verdammten Job machen sollte.

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Und dieser Job besteht darin, ALLE oppositionellen Kräfte – von denen es ja eh kaum mehr welche in Deutschland gibt – unter einer lautstarken Gegenstimme zu einen, Geschlossenheit nach außen darzustellen und sowohl auf das etablierte System und die Mainstreammedien zu scheißen. Der großartige Franz Josef hat das in der CSU übrigens auch gemacht und vom Monarchisten bis hin zum Wirtschaftsliberalen alle in Spur geprügelt.

Die AfD muss endlich anfangen zu begreifen, dass der Feind das etablierte System ist und nicht in den eigenen Reihen sitzt. Und das gilt für Flügler und Liberale gleichermaßen. Rauft euch zusammen und betrachtet Politik als das, was sie ist: ein Geschäft.

Es grüße wie immer mit selbstgefälligen Grüßen,

Euer Lieblingskapitalist

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12 Kommentare

  1. Ja, alles korrekt. Auch, daß Meuthens Äußerung (jenseits der Tatsache, daß er einen Großteil der Verantwortung trägt) sachlich nicht zu kritisieren ist.
    Dennoch zwei Anmerkungen:
    Zum einen sind es nicht mehr die Äste, an denen man sägt, sondern die Wurzeln.
    Zum zweiten sind Verluste der AfD zu erwarten gewesen und zwar m.E.n. auch jenseits innerparteilichen Zwists. Zweierlei hat sich seit der letzten Landtagswahl verstetigt: Zum einen hat sich eine Chance auf baldige Veränderung durch die inzwischen deutlich verlautete Totalblockade der Bürgerlichen auf St. Nimmerlein vertagt und zum anderen hat sich die Presse-Artillerie doch recht genau zum Dauerfeuer eingeschossen (was 2016 auch noch nicht der Fall war).

    Und damit nun zum Kern der Problematik: Ehe der wirtschaftliche Totalzusammenbruch noch nicht eingetreten ist und die Strategie der Rautenf***e nicht krachend gescheitert ist (was sich allmählich abzuzeichnen beginnt, wobei die verwundetete Bestie noch immer Krallen hat und zeigt), wird sich seitens der Bürgerlichen nix ändern, eine Regierungsbeteiligung also fern bleiben.

    Offen gesagt, wird sich das Grüne Reich nicht vermeiden lassen – und ich hoffe, daß es schnell kommt, so daß noch einige Leute da sind, die wissen, wie man Scherbenhaufen aufkehrt.

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  2. Mit Strategie der Rautenf***e meinte ich natürlich die der „assymmetrischen Mobilisierung“, also im Prinzip eine grüne SPD-Politik nach Presselage zu fahren, um der Union die Regierungsführung, zumindest -beteiligung zu sichern.

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  3. Würde bei allem zustimmen, nur beim Stimmverlust nicht. Wenn die AfD geschlossen agiert hätte, wäre sie zumindest konstant geblieben. Mehr als 15-20% Fundamentalopposition sind bei den gehirnamputierten, degenerierten, rückgratlosen und völlig enteierten deutschen Bücklingen ohnehin nicht drin.

    Daher find ichs recht gut, dass wir im Herbst auf g2r zusteuern. Vor allem, weil ich aus der Schweiz das ganze Elend dann im Fernsehen bei Vino, Käse & Schokki verfolgen kann.

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  4. Ok. Das hat getroffen! Schweiz und Schokki gehen gar nicht… FCK!
    Also das leben müssen ohne… …Grüße an die Luxemburgerli!

    Wegen des Stimmenverlusts: hm. Nein, lieber Kapitalist, damit unterschätzen Sie die Wirkung des medialen Dauerfeuers.
    Sich heutzutage in D zur AfD zur bekennen kommt einer öffentlichen Selbsthinrichtung gleich. Daß sich das in die tieferen Bewußtseinsschichten eingräbt (v.a. derjenigen, die ausschließlich diesem Bombardement ausgeliefert sind, weil früher einmal die Tagesschau einen Wahrhaftigkeitsruf hatte, der kurz unterhalb der Verkündigung der Zehn Gebote auf dem Sinai lag) war zu erwarten – nach dem Motto: „Naja, wenn sich alle sooo einig sind, muß doch was dran sein…“.
    Daß die übliche „Wenn Wahlen was bewirken würden“-Argumentation gerade auf der rechten Seite ihre Kahlschlagskraft entfalten würde, war auch klar. Insofern habe ich mit Minus 3-4% gerechnet. Die bitteren Prozentpunkte bis zur Einstelligkeit mögen als Sahnehäubchen die schismatischen Tendenzen der Parteiführung obendrauf geliefert haben. Wobei ich da nicht weiß, was schlimmer wirkte – Meuthens rührmichnichtan-Spalterei oder Höckes ungeschickte Tendenz, zu jedem dummen Anlaß ein historisches Proseminar aufzuführen, um zu erklären, warum etwas, das unklug ist gesetzlich nicht verboten ist, obwohl es sich politisch verbietet.
    Und damit zum Auf-Linie-Prügeln: Wer sollte es machen, wer könnte es sich leisten? Prügeln funzt ja gerade nicht mehr…

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  5. Wenn die Stimmenauszählung mit der Sorgfalt der PCR-(oder sonstwas)Testung vonstatten geht, erübrigt sich jede weitere Analyse oder ist wenigstens als sehr vage Tendenz zu betrachten.

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    1. Naja, anders als in den USA haben wir hier ein halbwegs funktionierendes System. Alleine schon, weil jeder das recht Wahlbeoachter zu werden – auch die AfD – Wähler

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    1. Nur zur Klärung:
      Was in Amerika das Problem mit den Wahlzetteln war, war nicht etwa die Briefwahl mit vorheriger Benachrichtigung und bestätigter Rückantwort, sondern das Universal Mailing Voting, nach welchem irgendwohin irgendwelche Stimmzettel geschickt wurden und zwar nach fragwürdigen Einwohnerlisten, weswegen halt dann auch Tote oder Verzogene einen Wahlzettel hatten…
      Die wurden dann noch von Sammlern abgefarmt. Unabhängig davon, daß die Briefwahl natürlich deutlich unsicherer ist, gibt es da doch einen signifikanten Unterschied.

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  6. 100% wahrer Artikel! Hier noch eine Ergänzung von mir, warum die Rechten versagen: Mich, der sich selbst als rechts bezeichnen würde, kotzen beide Lager an. Dieses Meuthen Gelaber die „Bürgerlichen“ abholen zu wollen, anstatt die Arbeiter als Hauptwahlklientel auszumachen, wie Umfragen selbst der GEZ Medien immer wieder zeigen. Dieses Rumgeheule, nicht bei Lanz oder Maischberger eingeladen zu werden, obwohl diese Auftritte in diesen nicht neutralen Sendungen sowieso mehr schaden als nutzen. Andererseits diese unsymphatischen Typen wie Hans Jörg Müller, Mandic, Blex usw., die zwar vielleicht fachlich kompetent sein mögen, das aber leider in der Politik eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint. Und zur Querdenkerbewegung: Meuthen hatte wohl recht mit seiner Rede, nur hätte man das taktischerweise sein lassen sollen um diese Klientel nicht als Wähler zu vergraulen. Dann kommen noch Egoisten und Narzissten wie Schulte, Haintz usw. hinzu, die jetzt lieber ihre eigenen 1-2% Parteien gründen, anstatt die größte Oppositionspartei zu unterstützen. Elsässer ruft dazu auf, Wahlen bringen nichts. Der Verfassungsschutz braucht nicht einmal innerhalb der AfD agieren, er kann das ausserhalb tun um der AfD massive Stimmenverluste zu bescheren. Oder es handelt sich bei genannten hierbei wirklich nur um beleidigte kleine Kinder. Ich hingegen habe die AfD schon immer gewählt, auch wenn mir nicht alles gefällt. Die Stimmen der Querdenkerbewegung müssen natürlich mitgenommen werden, um natürliche Verbündeten handelt es sich aber nicht. Symphatisch sind mir dabei auch nur die wenigsten. t.me/buddhawarrechts

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    1. Vollste Zustimmung. Es sollte mal weniger ideologisch, als pragmatisch an die Sache herangegangen werden. Wir stehen momentan in einem brennenden Haus, auf das von außen Benzin gekippt wird und wir streiten uns um die zukünftige Inneneinrichtung….

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