Lose für Loser

Edit: Oh Gott, ich hab Loser mit dem zweiten Deppen-O geschrieben, danke an Dion für den Hinweis. Ich werde umgehend für diese Schande büßen, in dem ich mir eine Rede von Joe Biden ansehe. Ungekürzt.

Aber zurück zum Thema:

Ich weiß, ich weiß – es ist recht lange her, dass ich mich hier zuletzt ausgekotzt habe, aber ich habe große Pläne für Europa bin seit einigen Monaten in ein paar sehr interessanten und entsprechend Projekten eingebunden, die entsprechend reitraubend sind.

Bedingt durch das gestrige Gespräch mit einem langjährigen Kunden (Mittelständler, 32 MA) habe ich aber erfahren müssen, dass unser allseits beliebter Nacktschneckerich und Wirtschaftsminister, Peter „The Hut“ Altmeier, wieder mal ein unglaubliches Schwachsinnsprogramm aufgelegt hat, von dem ich euch heute berichten möchte.

Worum geht es also?

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland eine Digitalisierungsinitiative. Klein- und mittelständische Unternehmen, die Ihre Betriebe modernisieren möchten, erstellen zusammen mit Beratern ein Konzept, reichen dieses ein und kriegen – je nach Programm zwischen 30% und 50% Zuschuss auf die Gesamtinvestitionssumme. Gefördert wird alles mögliche, was die Betriebe effizienter macht und jetzt nicht gerade zum Standard gehört, also bspw. die Einführung von ERPs, IT-Sicherheitskonzepte, Zeitwirtschaftssysteme, eCommerce, etc.

Die Förderung selbst läuft in der Regel so ab, dass man das Projekt umsetzt, einen Abschlussbericht schreibt und die Rechnungen, die man externen Dienstleistern für die Umsetzung bezahlt hat, einreicht und dann die Kohle bekommt. So weit, so gut.

Jetzt kann man sich darüber streiten, ob direkte Förderung von Unternehmen sinnvoll ist, oder nicht, aber darum geht es mir in diesem Beispiel nicht. Die Programme wurden von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausgelegt, manchmal gab es etwas mehr, manchmal weniger Kohle. Alle hatten aber eines gemeinsam: wenn man den Antrag ordnungsgemäß gestellt hat, wurde dieser genehmigt und man kam in den Genuss des Programms.

Kommen wir nun zu „Digital Jetzt“, der „Digitalisierungsoffensive des Bundesministeriums für Wirtschaft und Infrastruktur.“

Das Prinzip ist hier ähnlich. Man reicht sein Vorhaben ein und erhält 40% – 50% Zuschuss. Allerdings ist hier schonmal die benötigte Grundsumme für die Förderung mit 34.000 recht hoch angesetzt, so dass kleine Betriebe, die eigentlich von den Maßnahmen am meisten profitieren sollten, dafür nicht in Frage kommen – aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es bspw. wenige Handwerksbetriebe mit 5 – 10 Mitarbeitern gibt, die einfach mal so mehr als 30.000 EUR aus dem Ärmel, für eine Verbesserung des Betriebes, schütteln können.

Der Hammer kommt allerdings jetzt erst. Seit dem 15.01.2021 werden unter allen Antragsstellern die Zuschläge VERLOST.

Ja, ihr lest richtig: V – E – R – L – O – S – T!

Und diesen marktverzerrenden Schwachsinn verkauft man als „Chancengleichheit“. Aber es wird noch blöder: das gesamte Förderprogramm umfasst lächerliche 203 Millionen EUR und läuft vom 07.09.202 bis zum 31.12.2023, also um die 28 Monate.

Nach Adam Riese und Eva Zwerg bedeutet das, dass ein Kontingent von 7,25 Mio. EUR pro Monat an Fördersumme zur Verfügung steht. Wenn also die Mindestsumme 17.000 EUR (also rechnen wir mal großzügig mit den 50% Zuschuss auf die 34.000 EUR Gesamtsumme) beträgt, bedeutet dies, dass jedes Monat 426,47 Unternehmen in den Genuss des Zuschusses kommen. Bundesweit. Bei mehr als 2,5 Millionen klein- und mittelständischen Unternehmen.

Fairerweise muss man sagen, dass man sich jedes Monat erneut bewerben kann. Damit liegt die Chance den Zuschuss zu erhalten nämlich bei 0,017%. Geil, oder?

Jetzt stellt euch vor, ihr habt ein Unternehmen, das ihr modernisieren wollt und euch wird der Zuschlag verwehrt, euer Wettbewerber im Nachbardorf kriegt aber, weil er ein Glücksschweinchen ist, 50.000 EUR von Vater Staat geschenkt. Stellt euch weiterhin vor, dass diese 50.000 EUR eigentlich eure Steuergelder sind und ihr euren Wettbewerber fördert. Und stellt euch weiterhin vor, dass es sowas wie Korruption im Amt geben würde, sprich man durch Vitamin B das Losverfahren beeinflussen könnte. Na, was macht das mit euch, Froinde?

Ich bin gestern explodiert als ich von diesem marktverzerrendem Schwachsinn gehört habe. Wenn man schon Fördermittel ausschüttet, dann sollten ALLE Unternehmen davon profitieren können. Ich selbst bin aber, genau wegen solcher Blüten, ohnehin kein Freund von jeglicher Subventionspolitik.

Ich weiß, dass diesen Bericht hier mal wieder keine alte Sau lesen wird, weil ihr Blut, Titten und Skandale lesen wollt, aber es mußte trotzdem raus.

Danke dennoch für Zuhören, Froinde.

Es grüßt wie immer selbstgefällig,

Der Kapitalist

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2 Kommentare

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