Klassik mit dem Kapitalisten – Teil 2: „Tu scendi dalle stelle“

Ich weiß, dass von euch ungebildeten, abgestumpften Troglodyten ohnehin kein Aas diesen Blogartikel lesen wird, aber naja… schreib ich ihn halt für mich selbst.

Da Weihnachten ja praktisch vor der Haustür steht, möchte ich heute noch ein weiteres – eigentlich international sehr bekanntes, aber in Deutschland nicht sonderlich verbreitetes – wunderschönes Weihnachtslied vorstellen.

Es handelt sich um ein Weihnachtslied des selbst in Kirchenkreisen nicht unumstrittenen neapolitanischen Bischofs Alfonso Maria de Liguori.

https://www.lacittadisalerno.it/image/policy:1.77629:1491163371/MAXRESDEFAULT-WEB.jpg?f=2x1&$p$f=de4d614&w=1500&$w=f075b93

Es trägt den Titel „Tu scendi dalle stelle“ was zu deutsch so viel wie „Du steigst von den Sternen herab“ bedeutet und später in der deutschen Übersetzung des Liedes mit „Herab aus Sternenhöhen“ abstrakt übersetzt wurde.

Das Werk selbst entstand Mitte des 18. Jahrhunderts und man ist sich uneinig, ob es jetzt 1744, 1754 oder 1755 entstanden ist. Pfeiff drauf.

Dem Text liegt eine Mischung aus Demut und Verehrung zu Grunde, was sich auch im musikalisch hinterlegten Thema widerspiegelt.

Die Melodie selbst hat der gute alte Liguori übrigens vom Weihnachtslied „Quanno nascette Ninno“ aus dem Jahre 1650 kopiert – übrigens auch ein eher in unseren Breiten unbekanntes, aber nichtsdestrotz großartiges Werk. Im Vergleich zum „Tu scendi dalle stelle“ hört man hier aber eindeutig heraus, dass es eher ein Lied des einfachen Volkes war und nicht für die Kirche bestimmt wurde.

Übrigens wird die Melodie auch gerne mal von Schalmeien und italeinischen Sackpfeifen begleitet, wie es früher in Italiens Tradition üblich war. Ich muss allerdings zugeben, dass mir persönlich dadurch der besinnliche Charakter des Werkes etwas abhanden kommt, aber hört selbst rein:

Obgleich es unzählige berühmte Interpreten wie Andrea Bocelli oder Luciano Pavarotti gegeben hat, die „Tu scendi dalle stelle“ auf verschiedenen Weihnachtsgalas rund um den Globus zum Besten gegeben haben, so gefällt mir die Version von Bruder Alessandro am Besten – wahrscheinlich, weil er Geistlicher und Musiker ist und damit das Werk verinnerlicht hat.

Wenn man mal die sicherlich etwas kitschigen Bilder ausblendet und nur dem Gesang lauscht, dann hört man in diesem Fall eine unglaubliche Hingabe heraus, die bspw. Pavarotti – trotz seiner sicherlich eindrucksvollen Stimme – vermissen lässt. Aber letzten Endes ist es natürlich auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Immerhin habt ihr jetzt wieder eine Alternative zu „Oh du Fröhliche“ und „Stille Nacht“ die ihr an Heiligabend mit eurer Familie singen könnt.

Es grüßt wie immer selbstgefällig,

Der Kapitalist

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9 Kommentare

  1. Einer dieser ungebildeten, abgestumpften Troglodyten erwartet schon länger einen weiteren Blogeintrag und geniesst die „leckeren“ und „genussvollen“ Beiträge ein ums andere Mal. Vielen Dank! ( schmatz ..jamjamjam… Rülps…) In diesem Sinne: „Ugga-Ugga“(..mit-Keule-schwing..), was soviel heissen könnte wie: Gerne mehr davon!!!

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  2. Naja, Buam, ganz so is’s no ned – ums mal in der Sprache der Südvölker zu sagen. Abgesehen natürlich davon, daß das Portrait des heiligen Alphonsus nicht gerade der höchstnotkünstlerische Brüller ist und in seiner Volkstümlichkeit wunderbar zum Ninno passt (Danke übrigens für die ganz wunderbare Aufnahme, die ich grade noch höre).
    Respekt übrigens. Daß die mit Sackpfeifen geblasene Pifa im 17. Jahrhundert zu den italienischen Weihnachtsbräuchen zählte, ist – weiß Gott – nicht Allgemeingut. Hier offenbart sich der Connaisseur.
    Also nun aufgetaucht aus der Schwärze! S’ist Weihnachtszeit, alter Lärmer!

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  3. Doch noch ein Nachtrag hinsichtlich der Bilder zu dem wirklich recht hübsch und für einen Franziskaner sogar außergewöhnlich singenden Fra’Alessandro, der sich der seinem Ordensgründer zugeschriebenen Tradition des „Kindlwiegens“ augenscheinlich in der bethlehemitischen Geburtsgrotte hingibt. Insofern streut der Troglodytenvorwurf ein wenig. ;-D
    Oder sollte der mit seinen Zeichnungen so leichtfüßig Menschen Zerschmetternde absichtsvoll Schrot in die Flinte geladen haben?

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  4. Naja, Buam, ganz so is’s no ned – ums mal in der Sprache der Südvölker zu sagen. Abgesehen natürlich davon, daß das Portrait des heiligen Alphonsus nicht gerade der höchstnotkünstlerische Brüller ist und in seiner Volkstümlichkeit wunderbar zum Ninno passt (Danke übrigens für die ganz wunderbare Aufnahme, die ich grade noch höre).
    Respekt übrigens. Daß die mit Sackpfeifen geblasene Pifa im 17. Jahrhundert zu den italienischen Weihnachtsbräuchen zählte, ist – weiß Gott – nicht Allgemeingut. Hier offenbart sich der Connaisseur.
    Also! Nun aufgetaucht aus der Schwärze! S’ist Weihnachtszeit, alter Lärmer!

    PS: Doch noch ein Nachtrag hinsichtlich der Bilder zu dem wirklich recht hübsch und für einen Franziskaner sogar außergewöhnlich singenden Fra’Alessandro, der sich der seinem Ordensgründer zugeschriebenen Tradition des „Kindlwiegens“ augenscheinlich in der bethlehemitischen Geburtsgrotte hingibt. Insofern streut der Troglodytenvorwurf ein wenig. ;-D
    Oder sollte der mit seinen Zeichnungen so leichtfüßig Menschen Zerschmetternde absichtsvoll Schrot in die Flinte geladen haben?

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  5. Mein Herz frohlockt. Bei solchen Kommentaren gibt es Hoffnung für die Menschheit. ❤

    Zu dem guten Bruder Alessandro muss ich zu meiner Ehrenrettung sagen, dass ich weniger Probleme mit seiner Darbietung habe, als mit der Aufmachung des Videos.

    Dieses Glitzer, der Weichzeichner, die Lichterpracht etc. – die Franziskaner waren ja als Bettelorden gegründet worden und werden wieder als solcher dank dubioser Finanzgeschäfte wahrscheinlich auch enden: https://www.ksta.de/politik/dubiose-finanzgeschaefte-franziskaner-am-rande-der-pleite-22413034?cb=1608462541347

    Es hätte etwas schlichter sein können, besinnlicher eben. Aber wie gesagt, das ist reine Geschmacksache. Ich bin ja schon froh, dass es überhaupt solche Videos nicht gibt und das nervige "Last Christmas" nicht 24/7 gespielt wird.

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  6. Ja. Verstehe schon. Aber das ist eben die Besinnlichkeit des Mezzogiorno. Und in der Krippe ist mehr immer mehr! Empfehle einen gelegentlichen Besuch in der Krippensammlung des bay. Nationalmuseums, falls hier mehr gewünscht wird (Übernehme auch gern die Führung). 🙂

    Ahi, che bello! Dann schaut man noch schnell, ob das Bambinello hübsch ist, ehe man das Selfie macht…
    Aber so oberflächlich das auch klingen mag, ist es ehrlicher empfunden, als die kitschige, sinnenthüllte, kalte Shoppingshow, die wir hier fabrizieren. Und an Sinn und Leidenschaft fehlt es, wenns um die Weiterreichung unserer Kultur geht.

    PS: Höre schon wieder die liebe Pina Cipriani mit ihrer großartigen, wirklich grandiosen Aufnahme des Ninno, die ich gern schon geteilt hab. Fehlt nur, daß ich es zu singen beginne, auch wenn der Text viel und mein Napuletano nicht wirklich gut ist…
    Grazie ancora.

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    1. Dass Weihnachten bei uns zu einem stressigen Shoppingevent geworden ist, dem würde ich uneingeschränkt zustimmen. Außer lieblos runtergenudelten Gottesdiensten mit standardisierter Weihnachtsgeschichte und dem anschließendem großen Fressen ist da wenig Besinnliches, wobei ich mich da ehrlicherweise gesagt nicht mal ausnehmen möchte.

      ABER bei aller (Selbst)kritik finde ich persönlich die 3 Tage unglaublich Halt gebend. Man trifft sich mit den Eltern, kommt endlich mal runter und ist froh und zufrieden, was man im Leben so hat. Entschleunigender als jeder Wellnesstrip.

      Insofern ist der weihnachtliche Kitsch zu vernachlässigen – es geht ja um die Sache. Und Pina Cipriani – wenn man von paar Schlagern absieht, die echt Geschmacksache sind – ist ohnehin GROßARTIG: https://www.youtube.com/watch?v=95x7DcGqZgI und leider extrem unterschätzt.

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  7. Wenn ich bei der „Noche que los Reyes“ behilflich sein kann: Schreien! Es gibt nicht viel Material darüber, aber ich erinnere mich, einmal in eine Baß-Generalbaß-Ausgabe geblickt zu haben.

    Nochmal zum Ninnuccio: Ich finde, daß die Melodie motivisch mit Händels „Come unto him“ bzw. „He shall feed his flock“ alludiert. Das würde passen, da es auch im ersten, d.h. im Weihnachtsteil des Messiah steht, der ja mit einer Pifa eingeleitet wird. Händel war 4 Jahre in Italien und (allerdings wohl im Juni) 1708 auch in Neapel. Er hätte das Liedchen durchaus gut hören können…
    [audio src="https://en.wikipedia.org/wiki/File:Handel_-_messiah_-_20_he_shall_feed_his_flock.ogg" /]

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