Klassik mit dem Kapitalisten – Teil 1: „Heiligste Nacht“

Ich habe soeben spontan beschlossen, dass ich hier nicht nur Hass & Hetze auf höchstem Niveau verbreiten möchte, sondern auch meinem gottgegebenen Bildungsauftrag nachkommen möchte, damit ihr ungebildeten Töffel da draußen, trotz eines völlig zu Grunde gerichteten deutschen Bildungssystems, nicht ganz dumm sterben müßt.

Da Deutschland neben tollen Autos, zwei verlorenen Weltkriegen und übermäßigen Bierkonsum vor allem für klassische Musik weltweit bekannt und beliebt ist, habe ich mir überlegt, euch analog zu meinen Twitterprofil hin und wieder einige unbekanntere Werke vorzustellen. Mit diesem nutzlosen Wissen könnt ihr dumme und ungebildete Menschen beeindrucken, die Familie nerven oder langweilige Partyabende sprengen.

Wir fangen an mit Johann Michael Haydn, dem kleinen Bruder des weitaus bekannteren (und imho langweiligeren) Komponisten Joseph Haydns, der 1737 in Rohrau im wunderschönen Österreich das Licht der Welt erblickt hat.

Joseph Haydn (Ölgemälde von Thomas Hardy, 1791)

Michi Haydn und seine Homies haben 1786 den Text zu „Heiligste Nacht“ in die Finger bekommen und dazu eine Melodie komponiert. Eine weitere Version hierzu, die später auch viel bekannter wurde, als die von Haydn, stammt von dem ebenfalls unbekannten Komponisten Christian Paul Müller aus Landshut, die dann später 1810 von dem münsteraner Geistlichen Christoph Bernhard Verspoell in sein „münsterisches Liederbuch“ aufgenommen wurde.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/2e/Verspoell_Ges%C3%A4nge_beim_R%C3%B6mischkatholischen_Gottesdienste.jpg

Diese Version wird recht oft in Kirchen zu Weihnachten gesungen. Hier wird auch oft fälschlicherweise als Komponist Michael Haydn genannt und der Text, der eigentlich aus dem Tiroler Land stammen soll, was aber nicht belegt ist, wird copycat Verspoell auch unverdient zugeschrieben. In Zukunft könnt ihr also eure ungebildeten Mitmenschen jedes Mal belehren, wenn diese mit ihrem oberflächlichen Wissen versuchen kläglich zu glänzen. Man erkennt zwar sicherlich eine Ähnlichkeit, aber die Unterschiede in Text und Melodie sind schon deutlich:

Versteht mich nicht falsch. Ich mag auch diese Version, aber im Sinne weihnachtlicher Einkehr und Feierlichkeit, finde ich die Urversion von Michael Haydn einfach um einiges stilvoller. Diese wird eigentlich bei Messen seltsamer kaum gespielt.

Aber genug unnützes Wissen. Ihr könnt es wahrscheinlich gar nicht erwarten, euch ein Glas Rotwein einzuschenken, den elitären Bademantel anzuziehen und euch bei ner Meerschaumpfeife in den großen Ohrenledersessel zu wuchten, während ihr dann dem Zeitgeist hinterherweint und folgendes, wunderschönes Lied in Vorfreude auf Weihnachten genießt.

Wenn ihr also in Zukunft mal eine Abwechslung zur ebenfalls schönen, aber m.E. etwas totgespielten „Stille Nacht, Heilige Nacht“ von Franz Xaver Gruber eurer Familie näherbringen möchte, dann speichert euch den YT-Link aufs Smartphone, oder singt mit.

Achja, wer denkt, dass das Ganze genug Pseudointellektualität für den Rest seines irdischen Daseins war, der irrt sich: dies war erst der Auftakt einer Reihe, Froinde.

Es grüßt wie immer selbstgefällig,

Der Kapitalist

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2 Kommentare

  1. Zur Ehrenrettung vom Peppi sei auf dessen außergewöhnlich reiche Instrumentierpraxis und v.a. seine letzten Messen verwiesen.

    Darf ich für Teil III „Una Noche que Los Reyes“ anregen?

    Gefällt mir

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