Unkreative Kreative

Wie unkreative Individuen, mit hoher charakterlicher Verträglichkeit, Kreativität verstehen.

Es ist selbsterklärend, dass ein (intellektuell) unaufgeschlossener, bornierter Mensch, keinen Steckplatz für einen Kreativitätsprozessor hat. Aber ich fokussiere mich in diesem Gedanken auf eine Sache, die mir immer wieder bei den heutigen „Kreativen“ auffällt. Die Charaktereigenschaft der Verträglich- bzw. Umgänglichkeit. Es sind Menschen diesen Schlags, die meiner Beobachtung nach, seit Jahren, die Terrains der Kreativen überschwemmen.

Es ist deutlich erkennbar, dass sich die sogenannten Kreativen von heute stark von den Künstlern von damals unterscheiden.
Wenn ich heutige Filme, „Kunstwerke“ oder andere „Kreativleistungen“ konsumiere, oder ich die Personen hinter diesen Machwerken anhöre, Filmveranstaltungen besuche, ist es mir in den meisten Fällen unmöglich Respekt vor dem überwältigenden Großteil dieser Leute zu haben.
Ein Grund ist ihre hohe Umgänglichkeit, also die Eigenschaft zur übermäßigen Kooperationsgefügigkeit und damit dem ausgeprägten Drang sich in Meinung und Verhalten an ihr soziales Umfeld anzupassen.
Zu mindest derjenigen, die heutzutage in diesen Kreisen aufgenommen werden und sich ihrer Durchschnittlichkeit nicht bewusst, in die Kamera lunzend, irgendeinen 0-8-15-Schwachsinn von sich geben. Und das nahezu immer gepaart mit der Zurschaustellung gesellschaftlich gepriesener Tugenden. Was schon darauf hindeutet, dass sie unterbewusst spüren müssen, dass ihr individuelles Talent nicht ausreicht, um zu überzeugen und sich anbiedern, um Bewunderung zu erhalten.

Denn ich glaube einfach, dass es den meisten hoch umgänglichen Menschen, also Menschen mit einem hohen Anpassungstrieb, schwer fällt gedanklich zu erfassen was Kreativität eigentlich ist.
Ihr gedanklicher Horizont bewegt sich in Denkschemen, die Anleitungen oder Anweisungen erfordern, um in Bewegung zu gelangen. Ihre Fantasie ist durch die gedankliche Orientierung beschränkt zu glauben, zu meinen und zu machen, was Andere ihnen gestatten zu glauben, zu meinen und zu machen.
Die Denkprozesse eines individuums, das sein Weltbild daran ausrichtet, was die größte soziale Peer Group gebietet, sind unkreative Denkprozesse. Es sind Denkprozesse die es zum Ziel haben, von einer Peer Group bestätigt zu werden. Keine, die Etwas (Neues, Anderes, Überraschendes… ) erschaffen.

So funktionieren Kollektiv-Organismen: Sich vorauseilend so verhalten , wie sie von ihrem sozialen Umfeld erwarten, wie dieses sich verhalten würde.
Deshalb kann man oft beobachten, wie selbstverständlich die meisten Menschen davon ausgehen, dass alle Menschen in ihrem Umfeld ebenfalls politischen Parteien wie der AfD feindlich gegenüberstehen, wenn sie sich darüber unterhalten. Auch wenn sie neue Leute kennen lernen mit denen sie nie zuvor gesprochen haben. Sie setzen es voraus. Sie halten es für normal. Was für sie ausreichend ist, um eine Meinung zu etwas zu haben.
Die sogenannten (heutigen) „Kreativen“, die Musiker und „Künstler“, die alle so enthusiastisch gegen die AfD wettern, sind meistens auch keine Kreativen. Nicht, dass man als Kreativer die AfD gut finden, oder verteidigen muss. Das wäre ein logischer Fehlschluss.
Aber wegen genau dieser kollektivistischen Selbstorganisation von Individuen mit hoher sozialer Verträglichkeit ist Propaganda möglich.
Ich finde es erstaunlich, wie sehr das Reflexionsvermögen der meisten Menschen nicht ausreicht um zu bemerken, dass sie sich in einem ähnlichen Antriebsmoment befinden, wie jenes, welches einer historischen Person, die Charlie Chaplin ähnlich sah, zum Aufstieg verhalf. Ein Antriebsmoment, dem sie berechtigterweise mit tiefster Ablehnung gegenüber stehen, unbewusst aber der selbe Motor ihrer Gruppendynamik ist.

Früher dachte ich, es liegt im Mut begründet. Dass es jenen Menschen einfach nur an Mut fehle und sie durch Erfolgserlebnisse an Selbstvertrauen gelangen, wodurch sie gedanklich freier werden. Derzeit glaube ich, dass das eine charakterliche Determinierung ist. Also ein Wesen an sich, das nur so funktioniert und nicht anders. Es gibt einfach Persönlichkeiten, die wirkliche Autarkie nicht richtig begreifen. Und das ist höchstwahrscheinlich der Großteil der Gesellschaft. So eine Eigenschaft ist schließlich evolutionär sinnvoll, da es historisch evident ist, dass wirkliche Andersdenkende oft gesellschaftliche Probleme hatten, um es harmlos auszudrücken.

Natürlich ist das wie bei Allem keine Schwarz-weiß-Einteilung. Auch hier gibt es ein weites Spektrum an Grautönen, wie Anomalien. Und mein Gedanke ist wie viele meiner Gedanken einfach nur ein freier, nicht unbedingt ausgereifter, geschweige denn vollständiger Gedanke. Aber ich glaube, dass der Großteil verträglicher Individuen nicht über die Fähigkeit verfügt, aus den Denkprozessen auszubrechen, die sie zu einem Mitläufer machen. Und dass eben genau jene Individuen nicht kreative Individuen sind bzw. sein können. Sie aber, mit ihrem Massenbewusstsein (das Gegenteil von Selbstbewusstsein) und ihrer tatsächlichen Macht als Masse, Gebiete erobern, die eigentlich die Gebiete von Kreativen waren.
Das erklärt unter Anderem Pseudo-Künstler und die immer schlechteren Filme und andere Unterhaltungsmedien. Schließlich schließen sich ein gutes Drehbuch und Erfolg an den Kinokassen nicht aus. Siehe Jurassic Park oder Der Herr Der Ringe.
Der echte Kreative gilt bei einem solchen religiösitätsverwandten Kollektivorganismus instinktiv als Feind, da er durch seine Natur echte andere Dinge ausspricht und erschafft.
Der Kreative ist ein grundlegend individualistisches Wesen. Nicht, dass er dem Kollektiv seinen Sinn abspricht – er ist einfach nur selbst, der Logik erfordernd, individualistisch gestrickt.
Sein Horizont bewegt sich unabhängig und autark. Nur so ist Kreativität überhaupt und existenziell möglich.
Doch verstößt ein Kollektivorganismus alles, das anders ist, während er sich Territorien, wie die der Kreativen, aneignet.

Zustand von „Kunst“, „Kreativität“ und „Künstlern“ in unserer Zeit und warum ich sie unteranderem verachte.

Heutige „Künstler“ und andere Gestalten dieser Sphäre erzeugen in mir meist eher innere Ablehnung. Ich halte sie oft für einfältig und talentlos. Alles Andere als kreativ und mutig.
Influencer der neuen Medien – Sie sprechen Dinge aus, von denen sie genau wissen, dass sie hauptsächlich Zuspruch erhalten und wirken dabei ungerechtfertigt arrogant, als hätten sie etwas Mutiges und von Substanz beigetragen, während man bemerkt, wie wenig davon Selbstbewusstsein und stattdessen Massenbewusstsein die Quelle ihrer Meinungen, Handlungen und Weltbilder ist.
Meines Wissens ist das durchschnittliche Gehirn erst im Alter von etwa 25 Jahren vollständig ausgereift. Schon allein deshalb ist jungen Menschen kein Vorwurf zu machen. Ob den Influencern oder den Konsumenten ihrer Inhalte.

Zum Schluss sei gesagt, dass es natürlich hochgradig umgängliche kreative Menschen gibt. Menschen, die sich im Geheimen künstlerisch anders ausleben, als sie öffentlich zeigen.
Aber ich halte diese Menschen für mindestens so selten, wie nichtumgängliche, selbstbewusste Kreative.
Nicht zu verwechseln mit lebensmüden Kreativen, die unter ganz anderen gesellschaftlichen Voraussetzungen leben mussten/müssen 😉

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